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Vorplatz der Schule an der Walliser Strasse, Bremen-Osterholz


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   Land und Stadt
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     Vorplatz der Schule
     an der Walliser Strasse.
     März 1995.


   Ein, wie ich finde, assoziativ passender Untertitel:
              "Das ausgehende 20. Jahrhundert."

   Sehr, sehr schönes 70er-Jahre-Sechseck-Pflaster!
   Kleine Sechsecke fraktal eingefasst in grosse Sechsecke!
   Dazu die gelben Fensterrahmen, die roten Säulen und
   die orange-gelben Stäbe der Kugellaternen - sowas
   wird heutzutage gar nicht mehr gebaut!
   Der ganze Platz und auch die Fassaden des
   Schulgebäudes sind heute, 27 Jahre später,
   komplett umgestaltet.
 
   Gerade einmal 19 Jahre vor dieser Aufnahme... als ich
   noch gezwungener Maßen in Huchting/Stuhr "Am Dreieck 3"
   mitwohnen musste, als ich - andererseits - noch ein freier
   Mensch war, ohne dogmatische Verpflichtung irgendeine
   Art "Hort" oder eine "Bildungseinrichtung" besuchen zu
   müssen... als solche Leute, die regelmässig in eine
   Institution "Schule" gingen, für mich auf kultureller Ebene
   noch so weit entfernt waren, wie es heute für mich Leute
   sind, die in Altersheimen gemeinsam im Saal an langen
   Tischen zu Volksmusik und beim Besuch des Weihnachts-
   mannes unter FFP2-Masken eingehakt schunkeln... also
   da ging ich ab und an in Begleitung eines Elternteils - oder
   auch mit meiner eng vertrauten Nachbarsfreundin, die
   dabei ihren schön weissen und weichen Wollpulli anhatte,
   und dann mit ihren Elternteilen - in die Stadtteilbibliothek in
   den Schulgebäuden an der Delfter Strasse. (Zu jener Zeit
   waren öffentliche Leihbibliotheken oftmals noch in Schulen
   untergebracht und nicht in Einkaufszentren - wahrscheinlich,
   damit man mit  "Buch" irgendwie automatisch "tiefgreifende
   Bildung" assoziieren sollte und nicht "seichte Unterhaltung...
  
        ... Fortsetzung dieser epischen 70er-Erzählung  --->
                                                     --->  unterhalb des Bildes
       
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.....plus Konsum". Oder, damit sich die kostenlose, staatlich geförderte Bildung einerseits und der privatwirtschaftliche Bezahl-Konsum andererseits keine Konkurrenz in der Aufmerksamkeits-
   Ökonomie machten... ach, was weiss ich.)

Es bestand jedenfalls dort an der Delfter Strasse seinerzeit ein ebensolcher, relativ postmodern futuristisch-kahl-visionärer Betonvorplatz im typischen Stil der 70er wie hier an der Walliser.
Der herbstlich-kühle Nachmittagswind wehte noch trockenes Laub raschelnd über die Betonplatten, rötlich-golden schien das späte Sonnenlicht herein und dann ging es über Treppenstufen
und durch ein paar halbwegs gläserne Schwingtüren sowie in Folge durch eine kahle, ziemlich kachelig-dunkle Vorhalle mit Bohnerwachs- und Linoleumgeruch in die Bibliothek hinein, aus
welcher dann schon beim Öffnen der Zwischentür gleich dieser ganz eigene, warm-dickliche Bibliotheks-Muff strömte (gefühlt eine Mischung von vergilbt-vermodertem Papier, gut abgehangen
in rundum räumlich versprühtem Desinfektionsmittel bei betont gleichmässig fahler Neonbeleuchtung) und liess somit das Gefühl von etwas heimelig gedämpfter Gemütlichkeit bis hin zu
wohliger Benommenheit aufkommen.
Dann sortierte ich mir in aller Ruhe - nämlich mit der Gewissheit, noch so gut wie eine gesamte Lebenszeit vor mir zu haben - ein paar Bücher heraus, die vom Buchdeckel her ein
verheissungsvollen Eindruck machten (irgendwas mit Mädels vorne drauf, oder Bücher, die zumindest eine gewisse technische Neugier oder anderweitigen inhaltlichen Bezug auf die von
mir noch zu erkundende, unerforschte Umwelt weckten und darstellten). Wobei die "Kinderecke" seinerzeit eigentlich nur aus einer, dem Kindsein gegenüber, etwas denunzierend wirkenden
flachen "Wühlkiste" irgendwo an der Seite bestand und nur den allerkleinsten Teil des umfangreichen Gesamtlagers ausmachte. Dennoch liess ich es mir nicht nehmen, auch die Anordnungen
all der anderen, streng geometrisch-parallel aufgebauten Regalabteilungen räumlich und inhaltlich zu erkunden. Zwischen den Regalen war es mir, als befände ich mich in einer weit entfernten
Tiefsee-Unterwasserwelt voll farbiger Korallenriffe, in einer Welt, in der nur das eigentümlich-markante, leicht hölzern klingende, gedrückte "Klonk" - wenn man ein Buch wieder in die Lücke im
Regal zurückstellte - die Stille wie eine an der Oberfläche zerplatzende Luftblase durchdrang. Keinerlei hörbares Uhrticken, keine ähnlich regelmässig wiederkehrenden Geräuschimpulse
bewiesen, dass hier die Zeit quasi stillstand und einzig der, sich im Raum und dessen Aufteilungen, Abtrennungen und Gliederungen unter universal-gemeinsamer Deckenbeleuchtung
ausbreitende, Geist der inhärente Maßstab aller Dinge war und blieb, bis ich mich selbst aus der Meditation zu lösen gedachte.

Und dann, nach erfolgtem Abgleich des schier unendlich physischen Angebotes mit der eigenen inspirativen Erwartungshaltung, das Abstempelnlassen der ausgesuchten Werke an einem
extra Tischbereich nahe des Ausganges mit eigens dafür sesshaft-gediegenem Buch-Butler-Personal. Da wurde ich dann zu Beginn der Zeremonie ganz kurz und augenscheinlich gemustert,
für was ich mich denn da in welchem Umfang inhaltlich und kontextuell interessierte, dann wurde jedes Buch einzeln aufgeklappt (dabei gefühlt zugleich gewogen und dessen Masse definiert,
zumindest das Gewicht durch die einzelne Handhabung grob eingeschätzt), es wurde eine Karte herausgenommen und knapp am Rande eingelocht oder/und gestempelt... und dann ging es
für mich ganz stolz und erwartungsvoll mit den - nun für drei bis sechs Wochen mein Leben begleitende - Tothölzern wieder durch die Linoleumkachelhalle und über die Treppen hinaus ins
vorabendliche Nass-Nebelwetter des Herbstes... über den weiten Vorplatz mit all seinen Betonfragmenten und verwegenen Windchill-Ecken... und ich bereits in Gedanken und Vorfeude auf
die 18:00 Uhr "Boingboing....boingboingboioing....täterätääääää"-Sesamstrasse bei einer Tasse englischem Tee und etwas Gebäck, wie z.B. schneeweissen Zucker-Baisers ---

Aber lange Rede, kurzer Sinn: In der Erinnerung an jenen Bibliotheksvorplatz behielt ich besonders ein paar eigentümliche Objekte aus einer Art Kokusgewebe in Erinnerung, welche an
einer Konstruktion aufgehangen waren, und die irgendwie keinem Daseinszweck zu folgen schienen, die inmitten der Betonflächen auf mich damals so wirkten wie eine Fender-Aussenfederung
an einem Hafenschlepper auf See. Ich ging also staunend näher heran, berührte eines von den Dingern und sofort spüre ich auch heute noch intuitiv dieses Kratzen, das man eben sofort spürt,
wenn man auf Kokus-Gewebe fasst, gar noch längs darüberstreicht. Zwar leuchteten keine Sternschnuppen bei der Berührung auf, auch sonst kam keinerlei Reaktion irgendwo her, es gab
glücklicher Weise keine Explosionen, nicht einmal Bildwechsel fanden statt, denn es stand ja nichts damit in Verbindung. Es gab also keinerlei Ursache-Wirkungsprinzip, aber in irgendeiner
Art faszinierte mich damals die Sinnlosigkeit dieser Dinger, zumindest gelang es mir nicht, sie sinnvoll oder auch nur in kausalem Zusammenhang irgendwo einzuordnen... und solcherlei
Objektplatzierung begegnete mir auch später nicht mehr im Leben ---
Erst nachdem das Internet Einzug in unsere Welt hielt, konnte ich jene Objekte, die sich mir damals am Wegesrand auftaten, ausfindig machen!
Es war... tatsächlich... Kunst! Ja. Kunst in Reinform! Kunst, wie sie purer und persönlicher sich einem nicht offenbaren kann! Gefertigt aus Sisal. Bildlich der Nachwelt erhalten und hier zu sehen.

Tja... so war das damals im Jahre 1976! Das Mädel oben in der Mitte auf dem Link-Bild könnte gut meine Nachbarsfreundin sein, der Pulli passt schon mal... und sie war/ist ja drei Jahre älter,
sie ging da schon zur Grundschule (was für mich, der selbst die Einweisung in den Kindergarten noch weit vor sich liegen hatte, eben eine ganz ferne, aber doch respektable Kulturlinie bedeutete),
die Haarfarbe und Frisur kommt auch hin... obwohl, deutlich lockiger war sie dann doch. Aber wie der Zufall das ja oft so will... Das letzte Mal haben wir uns 1980 besucht, und dann habe ich sie
nochmal 18 Jahre später, 1998, zufällig in der Innenstadt getroffen und kurz mit ihr ein paar Worte gewechselt... sie hat mich dabei aber nicht mehr erkannt.... tja... lang, lang ist's her, wirkt
auf mich heute alles wie aus einem früheren Leben!

P.S: Gibt's eigentlich so Klebenoppen, für die PC-Tastatur, um die Tasten wieder rauer zu machen? Meine sind mittlerweile schon spiegelglatt gerieben... merke ich gerade beim Schreiben...
in letzter Zeit rutsche ich beim Tippen immer öfter ab... blöd! Das hält aber auch alles nix mehr heutzutage, dabei habe ich meine Tastatur auch erst gerade mal vor 18 Jahren, 2004, ganz
neu im Roland-Center gekauft! :(  Aber mit so Klebenoppen könnte das wieder behoben werden, müssten natürlich die Buchstaben mit draufstehen, falls sie dann die ganzen Tasten überdecken.
Irgendwas mit orange-roten Pril-Blumen drauf fänd' ich schön. Ich guck' mal... jaa, sowas in der Richtung gibt's... nennt sich "adaptives Surface-Kit"... klar, muss ja auch so heissen, wenn wir als
Menschheit bald die Kernfusion beherrschen und den Mars besiedeln wollen! ---